Dr. Rainer Koch im Interview zum 20. Geburtstag der Vermarktungstochter des BFV

Im September 2000 hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) seinen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgelagert und mit der BFV Service GmbH ein hundertprozentiges Tochterunternehmen gegründet.  Diesen Weg ging der BFV seinerzeit deutschlandweit als erster Sport-Landesverband und übernahm damit eine Vorreiterrolle.

Was hat den Bayerischen Fußball-Verband damals zu dieser Entscheidung bewogen? Haben sich die Erwartungen erfüllt? Und wie blickt der Verband hinsichtlich Sponsoring und Vermarktung in die Zukunft? Zu unserem 20. Geburtstag haben wir über diese Fragen mit BFV-Präsident Dr. Rainer Koch gesprochen.

Porträts 2014

Herr Koch, was hat den BFV damals bewegt, als deutschlandweit erster Verband diesen einmaligen Weg zu gehen?

Koch: Vor 20 Jahren waren die Erwartungshaltung der Vereine, aber auch das Selbstverständnis des Verbandes komplett anders als heute. Die Aufgabe des BFV bestand im Grunde darin, den Spielbetrieb im bayerischen Amateurfußball zu organisieren. In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir uns zu einem modernen und professionellen Dienstleister für unsere 4600 Vereine entwickelt, die zu Recht mehr von uns erwarten, als die Erstellung von Spielplänen und die Erteilung von Spielberechtigungen.

Gesellschaftliche Veränderungen und ein sich stetig veränderndes Freizeitverhalten haben dazu geführt, dass der Fußball etwas dafür tun muss, um seinen Status als unantastbare Nummer Eins zu verteidigen. Wir müssen unsere Angebote immer weiterentwickeln und attraktiv gestalten, um die Nummer Eins zu bleiben. Digitalisierung und der Servicegedanke sowie Offenheit für neue, attraktive und zeitgemäße Spielformen- und -formate spielen hierbei eine zentrale Rolle. Dass wir mit der Service GmbH eine Tochtergesellschaft haben, die schlagkräftig und innovativ ist, kommt uns da auf vielen Ebenen zu Gute. Das war auch damals schon einer der wichtigsten Gründe für die Gründung der BFV Service GmbH. Die Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre beweisen, dass es wichtig und richtig ist, ein flexibles Unternehmen an seiner Seite zu haben, um Projekte schnell und unkompliziert anzuschieben. Und ich bin mir sicher, dass dieser Aspekt in Zukunft eine weiter wachsende Bedeutung einnehmen wird.

In welchen Bereichen profitiert der Verband abgesehen von der klassischen Rechtevermarktung von seiner Tochter?

Koch: Nehmen wir nur das relativ junge Beispiel eFootball. Ohne die BFV Service GmbH hätten wir dieses immens wichtige Projekt für den Verband nicht so schnell und erfolgreich auf die Beine stellen können. Wir haben erkannt, dass viele unserer aktiven Fußballer und Fußballerinnen auch an der Konsole spielen und gegeneinander antreten wollen, deshalb stellte sich für uns eine ganz wichtige Frage: Schauen wir einfach zu, wie andere Unternehmen virtuelle Fußballangebote organisieren und sich dort früher oder später Parallelstrukturen bilden? Oder nehmen wir es selbst in die Hand?

An diesem Punkt sind wir dann in der glücklichen Lage, mit der BFV Service GmbH schnell agieren zu können. Innerhalb von drei Jahren haben wir mit dem BFV-eSports-Hub (www.bfv-esports.de) eine enorm starke und unvergleichliche Plattform auf die Beine gestellt und attraktive Wettbewerbe geschaffen. Und das Angebot wächst stetig weiter. Neben den beiden Bayernligen wird es 2021 als festen Unterbau der „BFV eFootball League by Bayernwerk“ erstmals auch vier Landesligen geben. Hinzu kommt die „Landesverband-Trophy“, über die zwei bayerische Starter für die Vorrunde des DFB ePokals ausgespielt werden. Im Angebot bleiben auch der „BFV eSports Cup by M-net“ sowie die „BFV eClub Championship“. Außerdem ermöglichen wir den Klubs die Ausrichtung von eigenen eFootball-Vereinsturnieren über unsere Plattform.

Ein anderes gutes Beispiel sind die vielen Schritte, die der Verband gemeinsam mit der Service GmbH in der Digitalisierung gegangen ist. Versetzen Sie sich nur mal zurück in die Zeit ohne Smartphones Anfang der 2000er. Wie sind wir denn da an Fußball-Ergebnisse der Gegner gekommen? Wir mussten mühsam herumtelefonieren oder haben unsere Tabellenplätze am Montagmorgen aus der Lokalpresse erfahren.

All die Daten, die wir inzwischen (fast) in Echtzeit auf unseren Smartphones immer und überall abrufen können, sind Entwicklungen zu verdanken, die wir gemeinsam mit unserer Tochtergesellschaft angestoßen haben. Wir hatten den ersten Online-Meldebogen in ganz Sport-Deutschland und profitieren noch heute davon. Alle Ergebnisse, Tabellen, Mannschaftsdaten, Liveticker in einer App.

Das sind schon enorme Entwicklungen, die ohne die BFV Service GmbH sicherlich nicht in dieser Form und Geschwindigkeit stattgefunden hätten. Und von denen jeder einzelne bayerische Fußballer profitiert. Auch die Corona-Krise konnten wir nur so erfolgreich meistern, weil wir frühzeitig die Grundlagen und die entsprechende Infrastruktur für die Arbeit im Home-Office, Konferenzen per Online-Meeting, Video-Schulungen oder Online-Trainer- und Schiedsrichterausbildung geschaffen haben.

Was waren und sind Argumente für die umfangreiche Vermarktung von Verbandsangeboten? Wie profitiert der bayerische Amateurfußball davon?

Koch: Wenn man sich Bilder von Verbandsveranstaltungen von vor 20 Jahren anschaut, wird der Wandel zu heute schnell ersichtlich. Die Arbeit der BFV Service GmbH Anfang der 2000er trägt einen wesentlichen Anteil dazu bei, dass der BFV heute bis in die untersten Strukturen in einem modernen und einheitlichen Look auftritt. Wir wollten und mussten damals dem Verband ein Gesicht geben. Wir wollten Dienstleister für die bayerischen Vereine und deren Mitglieder sein und das Image und die öffentliche Wahrnehmung stärken. Das ist uns gelungen. Die BFV Service GmbH, die damals in den Anfängen der professionellen Vermarktung steckte und einen starken Verband als Grundlage brauchte, war ein starker Antreiber für die Markenbildung des BFV.

Rainer Koch im Gespräch mit Lotto-Bayern-Präsidentin Friederike Sturm anlässlich der Verlängerung der Partnerschaft mit dem BFV

Auch viele neue Eventformate, die den Amateurfußball bunter und attraktiver machen wurden von der Service GmbH initiiert. Ich denke hier an den ERDINGER Meister-Cup, die Champions League der Amateure. Eine Idee, die seit 15 Jahren jeder bayerischen Meistermannschaft einen großartigen Saisonabschluss liefert. Oder den Kaufland Soccer Cup, der aus einem U11-Turnier einen tollen Familientag macht. So begeistert man Kinder und Eltern, um am Ball zu bleiben und sich in den Vereinen zu engagieren. Und im Toto-Pokal und beim Lotto Bayern Hallencup können sich die Vereine dank des großartigen Engagements von Lotto Bayern über attraktive Prämien freuen.

Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich auch die starke Vernetzung der BFV Service GmbH in die Unternehmenswelt. Dadurch entstehen Partnerschaften, von denen sehr viele Zielgruppen im bayerischen Fußball profitieren. Wir veranstalten jedes Jahr zahlreiche Seminare bei Vereinen vor Ort, in denen wir kompetente Unternehmen genau dorthin bringen wo sie gebraucht werden und ihr Wissen zu Themen wie Sportplatzbau, Flutlicht, Rasen oder Ähnliches weitergeben.

Die Professionalisierung im Vermarktungsumfeld des Amateursports nimmt nicht nur durch die Digitalisierung immer weiter an Fahrt auf. Wie sehen Sie hier die Position des bayerischen Amateurfußballs auch im deutschlandweiten Vergleich und über andere Sportarten hinaus?

Koch: Natürlich haben wir in Bayern allein durch unsere starke Mitgliederzahl einen enormen Vorteil. Wir sind hinter dem DFB und dem Deutschen Turner-Bund der drittgrößte Sportverband Deutschlands. Aber allein die Masse bedeutet ja noch nicht gleich, dass es auch ein Leichtes ist, bestimmte Rechte erfolgreich zu vermarkten.

Wir profitieren davon, dass wir mit der BFV Service GmbH ein Unternehmen an unserer Seite haben, das sich seit 20 Jahren intensiv mit Themen wie Vermarktung, Digitalisierung und der Entwicklung innovativer Formate auseinandersetzt. Das gibt es über diesen Zeitraum und in dieser Form in keinem anderen Landesverband und hat uns seit Gründung der Gesellschaft immer wieder die Möglichkeit gegeben, in die Vorreiterrolle zu schlüpfen.

Allgemein stellt sich der Amateurfußball und auch der gesamte Breitensport in Deutschland immer professioneller auf. Digitale Dienstleistungen und reichweitenstarke Kommunikationskanäle gehören inzwischen zum Standard eines jeden Verbandes. Und wenn man sich mal die Zahlen der Sporttreibenden in Deutschland anschaut, merkt man auch schnell, dass diese Zielgruppe mindestens genauso attraktiv ist wie der Profisport.

Die Entwicklungen gehen aber rasant weiter und wir wollen unsere Vorreiterrolle verteidigen. Ich bin mir sicher, dass wir mit der BFV Service GmbH auch in Zukunft sehr gut aufgestellt sind und neue und spannende Herausforderungen meistern werden.

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2. Oktober 2020